Kirchenmusik

Vom Abschied zum Neuanfang

Quelle: B.B.
Im Laufe der Zeit, von unserer Geburt bis zu unserem Tode durchleben wir viele kleine und große Abschiede.  Einen großen davon hatte ich 1983 zu bewältigen, als ich aus Krankheitsgründen aus meinem Beruf als Lehrerin ausscheiden musste. Es war schwer für mich, mit 48 Jahren mit Gleichaltrigen nicht mehr mithalten zu können und keine tägliche Aufgabe mehr 
zu haben. Mit was sollte ich jetzt meinen Tag füllen? 

Zum Glück gab es da noch einen Kindheitswunsch, den ich mir bis dahin noch nicht hatte erfüllen können. Meine Sehnsucht war es von klein auf gewesen, das Orgelspielen zu erlernen. Während ich als Kind jeden Sonntag in der Kirche diese Klänge hörte, umgab mich jedes Mal ein tiefes Gefühl der Geborgenheit, in dem ich mich unendlich wohlfühlte. So war in mir der Wunsch entstanden, auch einmal dieses Instrument spielen zu können. 
Noch im selben Jahr fand ich in Celle einen Organisten, der bereit war, mich als seine Schülerin anzunehmen. Es folgten wunderschöne Jahre, in denen ich von ihm an seiner Barockorgel in Neuenhäusen sehr einfühlsam unterrichtet und mit entsprechender Literatur vertraut gemacht wurde. Offensichtlich war es dabei sein Ziel, mir meine Freude am Lernen zu erhalten und sie zu fördern, ohne dabei irgendwelchen Leistungsdruck auf mich auszuüben. 

Auf diese Weise konnte ich 1985 die erste kleine Orgelprüfung ablegen. Das war der Beginn meines Weges in einen total neuen Aufgabenbereich. Da zu jener Zeit in Faßberg jemand fehlte, der Beerdigungen an der Orgel begleiten konnte, wurde ich angefragt. Denn der dortige Organist Konrad Gebhardt stand als hauptamtlicher Lehrer dafür nicht zu jeder Zeit zur Verfügung.  Sehr gern erklärte ich mich also bereit zu helfen. So kam es, dass ich bald auch immer mehr in den sonntäglichen Orgeldienst mit einbezogen wurde, bis ich ihn ab 1999 vorwiegend allein zu versehen hatte. Es war der Zeitpunkt, an dem Herr Gebhardt auf die freigewordene Stelle in Müden, seinem Wohnort, überwechseln konnte und wollte. 

Meine Freude an dieser meiner Aufgabe ist immer groß gewesen. Sie hat mich durch all die 
Jahre erfüllt und bis heute innerlich begleitet und reich gemacht. Und ich kann nur immer wieder 
meinem Herrgott danken, dass er mir diese Chance einer zweiten beruflichen Tätigkeit geschenkt hat. Der Anfang dazu war nicht leicht. Ich habe mir alles sehr erarbeiten und erkämpfen müssen. Auch die ersten Gottesdienste, in denen ich spielte, liefen nicht fehlerfrei ab. So denke ich  dabei voll Dankbarkeit an alle Menschen, die mich zu Beginn meiner Bemühungen  sehr unterstützt haben, insbesondere denke ich dabei an unseren damaligen Gemeindepastor Gerhard Evers, der mich mit seinen liebevollen Worten immer wieder  ermutigt und „aufgebaut“  hat.  
So ist Faßberg mit seiner Kirche in den vergangenen 35 Jahren „mein zweites Zuhause“ geworden. Unvergesslich werden mir all die - manchmal sogar täglichen - Fahrradtouren dorthin im Gedächtnis bleiben. Sie waren für mich stets innere Verpflichtung und Freude zugleich. 
Ich habe in dieser Zeit viele Veränderungen und Neuanfänge in der Gemeinde miterlebt – die Fusion von Faßberg und Müden, zahlreiche Wechsel von amtierenden Pastoren, Einführung des EGs und vieles mehr.    
                           
Nun stehe ich selbst vor einer gravierenden Veränderung, denn die Phase meiner Tätigkeit als Organistin nähert sich dem Ende zu. Ich merke, dass meine Kräfte dafür weniger werden. Deshalb habe ich es in den letzten Jahren auch besonders dankbar erlebt, wenn mich unser Gemeindeglied Bärbel Dening mit ihrer Flöte bei der musikalischen Gestaltung von einzelnen Festgottesdiensten hilfreich unterstützten konnte. Trotz allem ist jetzt die Zeit gekommen, einen endgültigen Schlussstrich unter diese Lebensphase zu ziehen. Der Abschied von „meiner“ Orgel und der Abschied von allen mir vertrauten und liebgewordenen Menschen, d.h. von Ihnen allen fällt mir nicht leicht. Sie alle werden mir bestimmt sehr fehlen. Aber viele neue Erlebnisse und Erfahrungen stehen vor der Tür.  
Mein Weg führt mich jetzt ins GDA Wohnstift nach Göttingen-Geismar, in die Nähe meines Bruders und dessen Kinder. Trotzdem hoffe ich, dass durch die Entfernung die bisher gelebten Kontakte mit Ihnen keinen zu großen Schaden nehmen und bei einem Besuch in Göttingen neu belebt werden können. Denn diese Stadt kennenzulernen, kann ich Ihnen allen sehr empfehlen!
So gehe ich nun mit großem Dank im Herzen und bereichert an all diesen wertvollen menschlichen Begegnungen und Erfahrungen, erbitte Gottes Segen und Geleit für Sie alle und würde mich riesig freuen, möglichst Viele von Ihnen bei einem Besuch in meinem neuen Wohnort wieder zu sehen.                                         
                                                                                                            Marie-Luise Röbbelen


 
 
 
Herzliche Einladung zum Verabschiedungsgottesdienst für Frau Röbbelen am 07.März 2021 um 10.00 Uhr in der Michaelkirche. Denken Sie bitte daran sich für den Gottesdienst im Kirchenbüro anzumelden.

Festschrift zum 150jährigen Jubiläum der Meyer-Orgel in der St. Laurentiuskirche

Quelle: Konrad Gebhardt