St. Laurentius Kirchengemeinde Faßberg-Müden

Himmelfahrt mit Startschuss für großes Friedhofsprojekt

Mon, 19 Aug 2019 17:15:31 +0000 von Beate Broihan

© R. Blümcke
Trockenmauer mit Staudenbeet
Traditionell feiert unsere Gemeinde ihren Himmelfahrtsgottesdienst unter freiem Himmel. In diesem Jahr hatten wir ein Dach über dem Kopf und waren dennoch mitten drin in der Natur. Konkret haben wir den Himmelfahrtsgottesdienst auf unserem aktuellen Friedhof in der Kapelle gefeiert. Er war gut besucht, die Kapelle bis auf den letzten Platz besetzt, denn wir hatten im Vorfeld einiges an Werbung gemacht für diesen Gottesdienst und den Start eines großen Projektes auf dem Friedhof mit der Überschrift: Bienen schwärmen für unseren Friedhof. Die technische Bezeichnung des Projektes lautet: Biodiversität auf kirchlichen Friedhöfen. Was das bedeutet, erläuterten die Leiter des Projektes aus dem Haus kirchlicher Dienste aus Hannover am Nachmittag sehr anschaulich. Für uns in Müden geht es darum, unseren Friedhof, der schon sehr gut dasteht, noch an einigen Stellen zu verbessern. Zunächst haben wir das Zertifikat „grüner Hahn“ erworben. Dazu müssen über Jahre Daten erhoben werden in den Bereichen Energie- und Wasserverbrauche, Müllentsorgung oder Maschineneinsatz. In all diesen Bereichen werden dann Optimierungsansätze gewählt und angewandt, um den Umweltschutz voran zu bringen und die Ökobilanz des Friedhofs zu verbessern. Dieses Zertifikat war die Grundlage für das Projekt, das wir dann mit den Hannoveranern über mehrere Jahre hinweg entwickelt haben. Im Rahmen dieses Projektes werden wir den Friedhof in Teilen umbauen. Wichtig ist es uns, dass der ursprüngliche Charakter dieses Friedhofs, der von den großen Familiengräbern geprägt wird, möglichst erhalten bleibt. Das ist nicht ganz leicht, da sich die Bestattungskultur heute stark verändert hat. Kaum noch einer wählt eine Grabstätte, die regelmäßig der Pflege bedarf. Und so sollen auch neue Bestattungsformen entwickelt und angeboten werden. Das wichtigste Kriterium für diese neuen Formen war der Wert solcher Anlagen für Insekten, Kleintiere und damit die Vielfalt der Arten. So sind zum Beispiel anstelle von Rasenflächen, die bisher abgelaufene Gräber ersetzt haben, Heideflächen geplant und auch Staudenbeete, im Zentrum des Friedhofes mit einer neuen Trockenmauer, in denen dann vor allem Urnen beigesetzt werden können, aber zum Teil auch Särge. Auch ein Feuchtbiotop und ein Schmetterlingsgarten sind für die Artenvielfalt in Planung. Totholz wird zum Wohnort für viele Kleintiere. Konkrete Preise für die neuen Bestattungsformen können wir noch nicht anbieten, die müssen wir noch kalkulieren und dann die Friedhofsordnung neu fassen.  
Frühere Kirchenvorstände haben den Friedhof sehr weise angelegt mit dem Kerkbusch, der die Bestattung mitten im Wald ermöglicht und der Streuobstwiese zum Wietzendorfer Weg, die jederzeit Chancen bietet, den Friedhof weiter auszubauen. So war der Himmelfahrtstag in diesem Jahr ein Fest der Sinne, mit Imkern, Insektenhotel und Fotos der Imkerkunst im alten Stil. Es gab ein deftiges Mittagessen und am Nachmittag nach dem Konzert des Posaunenchores noch Kaffee und Bienenstich. Viele hatten sich im Vorfeld beteiligt an der Aktion der Bäckerei Hoffmann, die eingeladen hatte, Bienengedichte zu verfassen. Die prämierten, beeindruckenden Gedichte werden wir in dieser und den weiteren Ausgaben des Gemeindebriefes veröffentlichen. Wir haben uns sehr gefreut, dass so viele Menschen da mitgezogen, diesen Tag mit vorbereitet und durchgeführt haben. Wir bedanken uns auch bei den Vielen, die unserer Einladung gefolgt sind und mit großem Interesse den Werdegang und die Entwicklung auf unserem Friedhof wahrgenommen haben und uns Rückmeldungen geben, was noch an Ideen entsteht und umgesetzt werden könnte. So kann es weitergehen. Gerne können sich auch Interessierte an uns wenden und sich tatkräftig einbringen. Es wird immer mal wieder Pflanzaktionen geben, zu denen wir dann konkret einladen. Wir denken auch über Patenschaften für einzelne Beete auf dem Friedhof nach. Schaut doch einfach mal vorbei auf dem Friedhof in Müden, auch wenn gerade keine Trauerfeier stattfindet, denn es gibt dort einiges zu entdecken. 
Pastor Rudolf Blümcke