Passionsandacht vom 24.März 2021: Der römische Hauptmann

Tue, 23 Mar 2021 20:33:23 +0000 von Beate Broihan

Er steht unter dem Kreuz, er hat die Leitung des Geschehens in der Hand. Er gehört zur Besatzungsmacht der Römer in diesem für Römer fernen und fremden Land. Die Römer sprechen die Sprache dieses Landes nicht, sie kennen die Geschichte nicht und die Religion dieser Menschen ist ihnen sehr fremd. Aus religiösen Gründen hatte es einen Aufstand gegeben und Pontius Pilatus, der Oberbefehlshaber der Römer in Israel hatte dem Wunsch von einigen laut Schreienden nachgegeben und diesen Prediger zur Kreuzigung freigegeben. So war es seine Aufgabe geworden, die Exekution durchzuführen. Ja, er kannte das, das kam mehrmals die Woche vor. Er war das gewohnt, die Schreie der Sterbenden und die vielen Schaulustigen, die auch noch Spott und Hohn übrig hatten für die jämmerlich am Kreuz hängenden. Aber diesmal war es anders gewesen. Dieser, den sie hier gekreuzigt hatten war nicht so wie sonst alle anderen. Dieser fluchte nicht über die römische Herrschaft oder die jüdische Obrigkeit, nein, dieser betete für sie, für die, die ihn hier ans Kreuz gebracht hatten. Er fluchte nicht, er segnete und er versprach selbst dem Verbrecher neben sich, der ihn um Unterstützung bat, dass er mit ihm ins Paradies kommen würde. Was war das für ein Mensch? Ja, auch er hatte Schmerzen, auch er verlor hier auf jämmerliche Art und Weise sein Leben, aber neben seiner Verletzlichkeit war da noch etwas anderes. Er regelte noch die soziale Absicherung seiner Mutter, während er schon am Kreuz hing und dann mit seinen letzten Atemzügen schrie er laut: Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen? Der Hauptmann lässt sich all das wörtlich übersetzen, denn er möchte verstehen, er merkt, wie ihn das persönlich angeht, dieser Mensch betrifft ihn. Denn dieser Schrei Jesu, das ist sein eigener Schrei, auch er hört ihn in sich. Dieser Jesus scheint ihn nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihn, den römischen Hauptmann zu schreien und für viele, ja vielleicht auch für alle Menschen. Denn so finden wir uns vor, früher oder später, von Gott verlassen. Und er merkt: Weil Jesus so schreit, er, von dem sie sagen, er sei der Sohn Gottes, deshalb ist unsere Gottverlassenheit nicht mehr verlassen, sondern er steht neben uns und schreit mit uns. Und so wird er sich sicher: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! (Markus 15,39) Amen

Pastor Rudolf Blümcke!