Passionsandacht vom 10.März 2021: Simon Petrus

Tue, 09 Mar 2021 13:35:24 +0000 von Beate Broihan

Simon Petrus
Lukas 22,31-34: Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, dass du mich kennst. 
Jesus wendet sich Petrus zu. Aber er nennt ihn hier Simon – sein Fischername, so hieß er als er noch mit dem Boot hinaus auf den See fuhr und ein Handwerker in Galiläa in der Provinz war. Simon weiß, jetzt kommt etwas Grundlegendes! Aber hier ist er schon einer der leitenden Jünger – Jesus hat ihn schon den Fels genannt, auf den er seine Kirche bauen will – ihm den neuen Namen gegeben: Petrus! Und Jesus kündigt ihm an: Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sieben wie den Weizen. Soll die Spreu vom Weizen getrennt werden? Sollen sie durchfallen? Zumindest werden sie durcheinandergeschüttelt. Es klingt wie eine Hiobserfahrung: Der Teufel holt sich bei Gott die Genehmigung, den Hiob zu piesacken, bis kurz vor den Tod. Jesus selbst hatte so etwas mitgemacht, gleich nach seiner Taufe damals in der Wüste. 
Solche Bilder sind uns fremd, aber auch wir kennen die Erfahrung, dass wir so durcheinandergeschüttelt werden, dass wir uns selbst nicht mehr kennen. Dass wir uns so fremd werden und neben uns stehen und sehen, wie wir das Beste und Wichtigste unseres Lebens verraten und zerstören können. Diese Erfahrungen gehen an die Substanz, wie bei Hiob. Das ist nicht eine kleine Schwäche oder Müdigkeit, das ist die Infragestellung des Lebens. Und Jesus gibt Petrus hier nicht die Rüstung des Heils oder das Schwert des Geistes, nein, er sagt: Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Die Zukunft des Petrus, die Zukunft aller Jünger, die Zukunft der Gemeinden und der gesamten Kirche hängt ab von diesem Gebet. Oft denke ich, wie wir wohl beten würden, wenn wir die Dimensionen auch nur erahnen könnten, die Jesus dem Gebet zu seinem Vater gegeben hat. Und Jesus betet, dass der Glaube des Petrus nicht aufhöre. Das heißt: Er bindet sich und das Reich Gottes an den zerbrechlichen Glauben seines Jüngers. Das Christentum ist nie die selbstherrliche Sicherheit der nie Gefährdeten. Das ist es nie gewesen. Der Leib Christi ist der verwundete, geschundene Leib. An der Gemeinde wird immer die Differenz zwischen Wollen und Können, zwischen ihrem Selbstbild und dem realen Lebensvollzug deutlich, zwischen ihrem Mut, ihrem Übermut und ihrer Verzweiflung. 
Das Reich Gottes wird nicht in die Hände der Glaubenshelden gelegt, die in der Lage sind, es siegreich zu verteidigen, sondern es wird getragen vom Gebet für die Durchgeschüttelten und auch für die Durchgefallenen, dass unser Glaube nicht aufhöre. Der Glaube ist nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht ein Haben, sondern ein Bekommen. Im Vertrauen auf dieses tägliche Beschenkt werden gründet die Aufforderung an Petrus: Und wenn du dereinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. Sicher ging dem Petrus ein Stich durchs Herz – wenn du dich dereinst bekehrst – hatte er das nicht schon lange? War er nicht einer der treuesten Nachfolger?
 
Pastor Rudolf Blümcke