Passionsandacht vom 03.März 2021: Pontius Pilatus

Tue, 02 Mar 2021 19:52:50 +0000 von Beate Broihan

Pontius Pilatus
Er war damals Statthalter in Judäa, verlängerter Arm des Kaisers in Rom. Er muss letztlich das Urteil über Jesus sprechen. Da stehen sich Welten gegenüber. Ein Machtspiel auf dem Rücken Jesu. Ich bin irgendwo eingemischt und fälle mein Urteil. Auch über mich selbst. Daumen nach oben oder nach unten oder distanzierte Gleichgültigkeit? Um das Geschick Jesu streiten Pilatus und die Oberen des Volkes.
Sie haben Jesus als einen politischen Aufrührer angeklagt. Pilatus aber leuchten diese Anschuldigungen nicht ein. Dann ziehen sie die religiöse Karte. Als sie Jesu Anspruch hervorbringen, Er sei Gottes Sohn, wird ihm dieser Gefangene unheimlich. Jetzt will er Ihn auf jeden Fall loswerden. Aber die Ankläger kannten ihren Statthalter, seinen Ehrgeiz, seine Angst vor dem Kaiser in Rom – beides war für Pilatus letztlich ausschlaggebend. Falls Pilatus die Interessen Roms nicht angemessen vertrete, dann könnte er seinen Ehrentitel „Freund des Kaisers“ schnell los sein. Diese Drohung ist ernst. Pilatus gibt sich geschlagen.
Er setzt sich auf den Richterstuhl, unternimmt einen letzten Versuch, die Ankläger umzustimmen: Seht, das ist euer König! Da schreien sie: Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn!
Das Machtspiel treibt auf die Spitze. Die Hohenpriester sind sogar bereit, die römische Fremdherrschaft ohne Vorbehalt anzuerkennen, um ihr Ziel zu erreichen und unterwerfen sich ihr: Wir haben keinen König als den Kaiser. Da überantwortete Pilatus ihnen Jesus, dass Er gekreuzigt wurde. 
Die Ankläger behielten die Oberhand, hatten den Machtkampf gewonnen. Wirklich? Weder die Ankläger noch Pilatus bestimmen  diesen Prozess: Sie sind nur Instrumente Gottes. Jesus ist und bleibt der eigentlich Handelnde.
Statt Jesus wird der verurteilte Verbrecher Barabbas freigelassen. Welch Ironie, dass ausgerechnet Pilatus etwas tut, was dem inneren Sinn des Todes Jesu entspricht: den Schuldigen freilassen, weil der Unschuldige Sein Leben dafür lässt.
 
Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe; die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.
Pastor Michael Köhler