Passionsandacht vom 24. Februar 2021: Judas, Sohn des Iskariot

Wed, 24 Feb 2021 18:43:56 +0000 von Beate Broihan

Judas, Sohn des Iskariot. 


In unserer evangelischen Kirche werden ja keine Menschen heilig- oder sogar seliggesprochen. Sonst würde Judas bei näherem Hinsehen durchaus in diese Kategorie fallen. Ohne Judas keine Verhaftung Jesu, keine Verurteilung und kein Tod am Kreuz und keine Auferstehung. Ja, das ist keine rühmliche Rolle, die er da übernimmt, nein im Gegenteil, er muss sozusagen die Drecksarbeit übernehmen und Jesus verraten. Aber wenn wir das ganze Geschehen von hinten her sehen, aus unserer Perspektive, dann können wir dem Judas nur dankbar sein, dass er es getan hat, dass er dem Plan Gottes, in Jesu Tod den Tod zu besiegen und in seiner Auferstehung uns alle mitzunehmen in ein Leben nach dem Tod - durch den Tod, nicht im Weg gestanden hat mit einem Einwand wie: Niemals, ich doch nicht! 


Offensichtlich macht sich Gott auch noch unsere finstersten Seiten zu Helfern, wenn es darum geht, seine Pläne zu verwirklichen. Er hat unser Heil, ein Leben für jeden von uns in Fülle im Blick, wenn er plant. Auch und gerade in Zeiten von Krankheit und Sterben. Ich erlebe in solchen Zeiten dann viele Menschen, die anfangen, hinter den vielen Oberflächlichkeiten und Selbstverständlich-keiten des Lebens zu schauen und rote Fäden der Bewahrung und Treue Gottes zu entdecken. Auch die vielen Einschränkungen in dieser Coronazeit sind eine Möglichkeit, innezuhalten - wo wir uns sowieso nicht viel bewegen können - und Gott einmal zu fragen: Herr, was hast Du noch mit mir vor? Wo bist Du bisher in meinem Leben aufgetaucht und wie sehen Deine Pläne aus. Unsere Pläne werden dagegen dann oft sehr klein und eigentlich kaum noch wichtig. 


Schade, dass Judas zu Lebzeiten diese Kurve nicht mehr bekommen hat, er soll sich aus Scham und Verzweiflung selbst das Leben genommen haben. Aber ich bin sicher, auch das hindert Gott nicht daran, ihm mit seinem Lebensangebot und einer Perspektive zu begegnen. Denn Gottes Perspektiven enden nicht auf unseren Friedhöfen. Dort fangen sie sozusagen erst richtig an. Wenn Sie mal über unseren Friedhof in Müden schlendern und ein wenig wahrnehmen und innehalten, dann bekommen Sie davon eine Ahnung. Amen


Pastor Rudolf Blümcke!