St. Laurentius Kirchengemeinde Faßberg-Müden

Auch wir läuten täglich um 21.00 Uhr!

Mon, 30 Mar 2020 15:01:39 +0000 von Beate Broihan

In vielen Kirchengemeinden in Deutschland werden zurzeit jeden Tag um 21.00 Uhr die Kirchenglocken geläutet. Auch die St. Laurentiusgemeinde beteiligt sich an dieser Aktion. Durch das Glockengeläut sollen Menschen in unseren Gemeinden aufgerufen werden zum täglichen Gebet für die Eindämmung der Pandemie, für die Genesung der Kranken, um Kraft für die Helfer in den Krankenhäusern und Altenheimen. Um Weisheit für die Krisenstäbe und Entscheider, um schnelle und gerechte Hilfe für alle, die um ihre Existenz bangen müssen, um Geduld für alle Menschen, die nun zu Hause sitzen. Um baldige Möglichkeiten, für gemeinsame Gottesdienste in unseren Kirchen. Aber natürlich ist das Gebet auch die richtige Adresse für den Ärger und die Angst, für die Sorge und das Unverständnis über eine Situation, die wir alle so noch nicht erlebt haben. Denn Gott ist der beste Zuhörer, den es gibt. 
Michael Ende beschreibt in seinem Roman Momo seine Hauptperson als gute Zuhörerin so:  
„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: zuhören. Das ist nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwas, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. So konnte Momo zuhören!“